Somatisierungsstörungen
Somatisierungsstörungen: Symptome Die Symptome der Somatisierungsstörungen können sich auf jedes Körperteil und jedes Körpersystem beziehen. Zu den häufigsten gehören auf den Verdauungstrakt bezogene Beschwerden wie z. B. Schmerzen, Aufstoßen, Erbrechen und Übelkeit etc., aber auch abnorme Hautempfindungen mit Jucken, Brennen, Prickeln, Taubheitsgefühlen und Wundsein etc. oder auch Hautausschlag. Auch sexuelle und menstruelle Störungen sind häufig. Depressive Verstimmungszustände und wiederkehrende Ängste und Befürchtungen kommen häufig als psychische Begleitreaktionen bei Somatisierungsstörungen vor; wenn diese stärker ausgeprägt auftreten kann ggf. eine eigenständige Behandlung erforderlich werden. Der Krankheitsverlauf ist bei den Somatisierungsstörungen überwiegend chronisch mit ausgeprägten Krankheitsschwankungen. Bei einem langen Krankheitsverlauf kann es zu Störungen im Familienleben und im sozialen Umfeld kommen. Somatisierungsstörungen treten bei Frauen häufiger als bei Männern auf, beginnen meist im frühen Erwachsenenalter. Bedingt durch vielfältige Arztbesuche kann als Komplikation eine Abhängigkeit oder zumindest ein Missbrauch von Medikamenten (z. B. Beruhigungs- oder Schmerzmedikamente) durch häufige und unterschiedliche Verschreibungen entstehen. Somatisierungsstörungen: Diagnostik Zur ärztlichen diagnostischen Abklärung von Somatisierungsstörungen ist eine klinische Ausschlussdiagnostik von körperlichen Erkrankungen eine Voraussetzung. Vielfältige und körperliche Symptome, für die keine ausreichende medizinische Erklärung gefunden wird, sollten mindestens zwei Jahre bestehen, bevor die Diagnose der Somatisierungsstörungen gestellt wird. Eine hartnäckige Weigerung, den Rat oder die Versicherung mehrerer Ärzte anzunehmen, dass für die Symptome keine körperlichen Erkrankungen zu finden sind, stützt die Diagnose von Somatisierungsstörungen. Auch eine gewisse Beeinträchtigung familiärer und sozialer Funktionen durch die Art der Symptome und das daraus resultierende Verhalten der Betroffenen, gehört zum Krankheitsbild von Somatisierungsstörungen. Probleme können bei der Abgrenzung von Somatisierungsstörungen gegenüber anderen Erkrankungen auftreten. Bei Betroffenen mit chronifizierten Somatisierungsstörungen besteht eine ebenso große Wahrscheinlichkeit, eine zusätzliche körperliche Erkrankung zu entwickeln, wie bei jeder anderen altersentsprechenden Person, d. h. weitere Untersuchungen oder Beratungen sind und bleiben zu erwägen, wenn sich die Klagen über körperliche Beschwerden in ihrer Gewichtung oder Häufigkeit verändern und so auf eine mögliche körperliche zusätzliche Erkrankung hinweisen. Somatisierungsstörungen können auch von psychischer Störungen unterschiedlicher Schweregrade begleitet werden; hier sollte eine fachärztliche Abklärung erfolgen. Insbesondere bei depressiven Störungen und bei Angststörungen treten häufig auch Somatisierungsstörungen auf. Sobald sie nur in Begleitung dieser psychischen Erkrankungen auftreten, werden sie als Teil dieser Grunderkrankungen behandelt. Der Beginn mit multiplen körperlichen Symptomen kann in einzelnen Fällen die Frühsymptomatik einer sich entwickelnden depressiven Störung sein. Somatisierungsstörungen sollten auch von hypochondrischen Störungen abgegrenzt werden. Bei den Somatisierungsstörungen ist die Aufmerksamkeit der Betroffenen auf die körperlichen Symptome selbst und ihre Folgen ausgerichtet. Patienten mit Somatisierungsstörungen suchen Ärzte auf, um eine Behandlung zur Beseitigung der Symptome zu finden. Es liegt auch häufig ein ausgeprägter oder übertriebener Medikamentengebrauch vor. Demgegenüber vermeiden Patienten mit hypochondrischen Störungen häufig die Anwendung von Medikamenten aus Furcht vor möglichen Nebenwirkungen. Bei hypochondrischen Störungen ist die Angst der Betroffenen mehr auf das Vorhandensein oder das Fortschreiten einer bedrohlichen Erkrankung ausgerichtet. Sie vermeiden auch häufig das Aufsuchen medizinischer Einrichtungen und bleiben auf ihrer Erkrankungsvorstellung fixiert. Somatisierungsstörungen: Behandlung Nach einer medizinischen Ausschlussdiagnostik ist es beim Vorliegen von Somatisierungsstörungen empfehlenswert, sich in eine psychosomatische-psycho-therapeutische Behandlung zu begeben. Hier sollte vor Beginn einer psychotherapeutischen Behandlung fachärztlich andere psychische bzw. psychiatrische Krankheitsbilder ausgeschlossen werden. Nach Sicherung der Diagnose erscheint eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie sinnvoll und erfolgversprechend. Diese Behandlung kann unter günstigen Rahmenbedingungen ambulant durchgeführt werden. Nach einem längeren chronifizierten Krankheitsverlauf empfiehlt sich zu Beginn einer psychotherapeutischen Maßnahme eine stationäre Behandlung in einer fachpsychotherapeutischen Abteilung. Dies erscheint insbesondere bei Somatisierungsstörungen sinnvoll, da die Betroffenen anfangs häufig subjektiv ein völlig anderes individuelles Krankheitskonzept entwickelt haben. Sie fühlen sich schon durch die Tatsache, an einer Somatisierungsstörung, d. h. an einer psychischen Erkrankung mit körperlichen Symptomen, zu leiden, in ihrem Selbstwertgefühl verletzt. Häufig finden die Betroffenen erst im Rahmen einer Gruppenpsychotherapie durch den Kontakt mit anderen Betroffenen einen Zugang zu psychotherapeutischen Behandlungsverfahren. Im Rahmen einer stationären psychotherapeutischen Behandlung können neben den vorwiegend sprachlich ausgerichteten Psychotherapieangeboten auch körperlich orientierte Therapieansätze ein verbessertes Körpererleben fördern. Auch Kreativverfahren wie Musik-, Gestaltungs- und Bewegungstherapie bieten für Patienten mit Somatisierungsstörungen vielfältige Möglichkeiten, um einen Zugang zu ihren tieferliegenden seelischen Konfliktfeldern zu finden.
O. Rüster
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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